An(ge)dacht


Der Engel des HERRN rührte Elia an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.“
1. Könige 19,7

 

Ute Waffenschmidt-Leng

Liebe Gemeindeglieder,

Elia – der Prophet Gottes – hat sich zurückgezogen, ist in die Wüste geflohen. Eben noch hat er gegen die Propheten Baals, dem Gott des Wachstums, einen großen Sieg errungen. Am Berg Karmel ist deutlich geworden, dass Adonaj, der HERR, der ‚Ichbinda’ verlässlich ist und einzig helfen kann. Der Gott des Wachstums und all seine Propheten wurden entlarvt: sich auf sie zu verlassen, ihnen nachzufolgen und zu gehorchen, ist trügerisch, ist falsch. Eindrücklich war das Zeichen, das der Gott Israels, ‚Ichbinda’, durch seinen Propheten Elia gesetzt hat.  Aber es hat Elia auch unendlich viel Kraft gekostet. Und dann droht ihm auch noch die Frau des Königs mit Vergeltung… So flieht er in die Wüste. Völlig erschöpft und ausgebrannt ist er, seine Seele kraftlos…  „Es ist genug – so nimm nun, GOTT, meine Seele… Und er legte sich hin und schlief…“

Vermutlich kennen Sie solche Erfahrungen auch? Erschöpft und ausgebrannt von dem, was Sie beansprucht hat in den letzten Monaten oder auch schon länger. Ausnahmezustand, in dem Sie sich plötzlich irgendwie zurechtfinden mussten, keine Routine mehr, die sonst auch entlastend ist, zunächst vielleicht noch entschleunigend und irgendwie wohltuend – und mit zunehmender Dauer auf ganz unterschiedliche Weise aber sehr anstrengend… bis hin zur Erschöpfung der Seele… bis hin zum tiefen Empfinden: Es ist genug… nur weg… nur noch schlafen…

Ein Zustand, der nicht ganz ungefährlich ist. Wir wissen das. Und – wie gut! – Gott weiß es auch. Und – wie gut! – Gott schickt seine Engel und lässt den / die Erschöpfte/n und Ausgebrannte/n nicht allein. ‚Ichbinda’ schickt Engel in die Wüste, die sanft berühren, sie bringen, was der/ die Erschöpfte braucht. „ ‚Steh auf und iss!’ Und Elia sah sich um und sah zu seinen Häupten lag ein geröstetes Brot und ein Krug mit Wasser…“ 

Engel, die vorsichtig berühren, die gut zureden, die Stärkendes bringen für Leib und Seele, die herausholen aus der Depression: Steh auf und iss… Vielleicht sind Ihnen solche Engel auch schon begegnet? Jemand, der /die Sie gesehen hat, der Sie gesucht und gefunden hat, die einfühlsam mit Ihnen sprach und Ihnen hingestellt hat, was Sie brauchten, um wieder zu Kräften zu kommen… 

Und – wie gut! – der Engel kommt nicht nur einmal! Manchmal ist die Seele so erschöpft, dass ein Gespräch, eine Ermutigung nicht ausreicht… Wie gut, dass Engel dann noch einmal kommen – und noch einmal – und… so oft, bis die Seele es wieder schafft, aufzustehen und den Weg, der zu gehen ist, unter die Füße zu nehmen. Und wie gut, Erzählungen wie die von Elia zu haben, die erzählt, was Elia damals selbst noch nicht wusste:  dass er tatsächlich die Kraft bekam, den langen Weg unter die Füße zu nehmen, dass er Kraft bekam für all die Aufgaben, die er vor sich hatte.  Gottes Kraft, Gottes Da-Sein hat ihn begleitet – jeden Tag und jede Nacht, überraschend, in allem – auch in allem, was nicht planbar und überschaubar war…   

Es ist eine Herausforderung, so zu leben – für uns heute, die wir gewohnt waren zu planen und dachten, wir hätten das Leben und alles im Griff, vielleicht noch mehr, als damals für Elia: sich stärken zu lassen, aufzustehen und darauf zu vertrauen, dass ‚Ichbinda’ da ist und versorgt und stärkt auf dem Weg, auch auf dem, den wir nicht überschauen, durch Engel, die uns geben, was wir brauchen und die uns einfühlsam sagen: steh auf und iss!   

Die Erzählungen derer, die vor uns Gottes Nähe und Versorgen erfahren haben und ihre Wege mit diesen Erfahrungen gegangen sind, ermutigen uns vielleicht? 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen gute und gesegnete Zeit in den Ferien und darüber hinaus.

Ihre
Ute Waffenschmidt-Leng