An(ge)dacht


 „Gott sagt: Sie werden weinend kommen, aber ich will sie trösten und leiten.“
Jeremia 31,9 - Monatsspruch November

 

Ute Waffenschmidt-Leng

Liebe Gemeinde,
das ist der Monatsspruch für den Monat November, der Satz, der begleiten soll, der sprechen wird in bestimmten Situationen. Ein Satz, der im Buch des Propheten Jeremia steht, einem Buch, das von viel vergeblichem Engagement eines Propheten erzählt und von seiner Verzweiflung, die Menschen erreichen zu wollen im Auftrag Gottes und sie nur in sehr begrenztem Maß erreichen zu können. Zur Umkehr ruft Jeremia die Mächtigen seines Volkes auf und die, die ihnen nachrennen. Er tut das mit Worten, mit z. T. spektakulären Aktionen, die er sich überlegt…  Das Ergebnis ist deprimierend. Er kann die Katastrophe nicht verhindern. Wir ahnen, wie sich Jeremia gefühlt hat. So viel vergebliche Arbeit, so viel vergeblich investierte Lebenszeit und -kraft!  Und dann doch mittendrin ein solcher Satz?!  Es geht um die, die die Katastrophe überlebt haben – ein Rest des Volkes Israel – verstreut und deportiert – gelitten unter der Gewalt feindlicher Übergriffe… Sie hören plötzlich die Stimme Gottes in der Katastrophe – hören, dass sie trotz allem wieder Zukunft haben sollen: Gott lässt durch den Propheten nun Befreiung ansagen: die Befreiung vom Joch der Feinde. Es soll eine neue Zeit anbrechen für die Überlebenden: „Sie werden weinend kommen, aber ich will sie trösten und leiten,“ sagt Gott.

Dass es Zukunft geben kann nach Katastrophen – die Bibel erzählt davon. Und es ist Gottes leidenschaftlicher Liebe, die kein Ende zu haben scheint, zu verdanken, dass es diese Zukunft gibt. Der Liebe, die nicht aufhört, die immer wieder neue Möglichkeiten zu leben sucht und schafft.  Die Liebe, die die Verzweifelten tröstet und stärkt. Die Liebe, die den Weinenden die Tränen abwischt. Die Liebe, die Wege zeigt und leitet, wo wir gar keine Wege mehr sahen…   

Es ist eindrücklich, wie die Propheten nach absoluter Enttäuschung, nach all den Erfahrungen von vergeblicher Arbeit doch wieder zu einer Hoffnung finden. Und sie liegt begründet in den vielen Erfahrungen, dass Gott – trotz allem, was die Menschen sich an Ignoranz und Gleichgültigkeit und Gier leisten – seinen Bund mit ihnen ganz offenbar nicht aufkündigt.  „Sie werden weinend kommen, aber ich will sie trösten und leiten.“  Das ist ein Satz der Liebe. Und der Liebe ist nicht gleichgültig, wie es den Geliebten geht. Und die Liebe weiß, was sie die Geliebten jeweils brauchen. Und Gott in seiner Liebe schafft neue Lebensmöglichkeiten, sogar durch die Katastrophen hindurch. Die Menschen der Bibel erzählen eindrücklich davon.  Und vielleicht haben Sie das auch schon erlebt: durch persönliche Katastrophen hindurch vielleicht? Sie dachten: jetzt ist alles zu Ende… und dann – neue Möglichkeiten zu leben, schöne sogar?! Es sind diese Erfahrungen, die den Menschen der Bibel – selbst so enttäuschten und desillusionierten wie dem Propheten Jeremia – die Hoffnung zurück geben und erhalten.  Und diese Hoffnung war und ist und bleibt die Voraussetzung für den langen Atem, der nötig ist im Engagement für das, was eine nächste Katastrophe verhindern kann.

Ich wünsche Ihnen, dass der Monatsspruch für den November diese Hoffnung in Ihnen nährt.

Ihre
Ute Waffenschmidt-Leng

   

   

   

   

   

   

   

   

   

   

   

   





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