„Jesus Christus spricht: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ Matthäus 28,20

Liebe Gemeindeglieder,

Ute Waffenschmidt-Leng

das ist Jesus offenbar wichtig gewesen – und seinen Freundinnen und Freunden wichtig zu erzählen – dass der Tod nicht das letzte Wort hat und haben wird.
Den Mächtigen in Jerusalem war die Lage zu gefährlich geworden. Die Vielen, die unterdrückt wurden durch die römische Besatzungsmacht, die Vielen, die durch all die Repressionen in Angst und Schrecken lebten und durch die Ausbeutung der Römer nicht mehr das Nötigste zum Leben hatten, die Vielen versammelten sich auf den Straßen Jerusalems kurz vor dem Passah-Fest. Das Fest, an dem die Menschen Israels den Gott der Befreiung erinnern, wird zum Anstoß neuer Hoffnung: Die Menschen begrüßen Jesus, der mit seinen Freundinnen und Freunden zum Passahfest nach Jerusalem kam… ‚Hosianna!’ begrüßen sie ihn, ‚hilf doch!’ rufen sie ihm zu!
Ja, die Sehnsucht nach Befreiung war groß! Und die Vielen in Jerusalem brachten plötzlich die Erfahrung von Befreiung, die sie alljährlich feiern, mit ihrer großen Sehnsucht in Verbindung: Ist es nicht so, dass die biblischen Schriften das ankündigen: dass einer kommen wird, der Israel befreit, der Recht schafft und Gerechtigkeit, der Israel endlich Frieden bringen wird?! Und als sie Jesus sehen, da bricht es aus ihnen heraus. Vielleicht ist er es ja, der, auf den wir so sehr hoffen, der von Gott Gesandte, der uns befreien wird?!
Den Mächtigen in Jerusalem war die Lage zu gefährlich geworden. So haben sie ihn ermordet, den, auf dem die Hoffnung der Vielen lag, und auch die Hoffnung seiner Freundinnen und Freunde.
Jesus hatte das geahnt. Und er hatte auch mit seinen Freundinnen und Freunden darüber gesprochen, sie darauf vorbereitet. Und er hatte dabei immer wieder in ganz unterschiedlichen Worten gesagt: Dass sie mich umbringen werden, wird nicht das Letzte sein! „Es wird eine Zeit kommen, da wird mich die Welt nicht mehr sehen, aber ihr, (die ihr mich liebt) werdet mich sehen. Denn ich lebe. Und ihr sollt auch leben!“ (Joh. 14,19) Und „der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.“ (Joh. 14,26) Und „siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“
So wichtig war es Jesus, seinen Freundinnen und Freunden zu sagen: Sie werden mich töten, aber der Tod hat nicht die Macht über die Liebe! Und der Tod wird nicht das Letzte sein! Ihr werdet mich sehen und Ihr werdet getröstet leben können und spüren, dass ich da bin, lebendig! Und Ihr werdet auch leben können, wenn ihr das spürt, werdet weiter leben, was uns bis dahin wichtig war!“

„Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende!“ In diesem Satz klingt die ganze Zärtlichkeit der Liebe mit. Das ist wichtigste Satz der Liebe: Ich bin da, für dich da! Und das ist der Name Gottes.
Ich bin da – für dich da – das ist das Wichtigste und Tröstlichste, was wir hören können – in allem Glück, das wir erleben – aber, und noch nötiger, in allem, was wir an Schwerem durchleben: Ich bin da, für dich da. Mehr brauchen wir nicht, nicht wahr? Das ist es, was wirklich trägt: dass im entscheidenden Moment, wenn ich ganz unten bin, jemand da ist, der das zu mir sagt: Ich bin da! Und das ist der Sieg über den Tod! Immer wieder! Dass Sie immer wieder solche Erfahrungen der Auferstehung machen – auch mitten im Leben, das wünsche ich Ihnen.

In diesem Sinne: Gesegnete Zeit! – In der Passionszeit – zu Ostern - und über Ostern hinaus!

Ihre

Ute Waffenschmidt-Leng