An(ge)dacht

„Wer im Dunkel lebt und wem kein Licht leuchtet, der vertraue auf den Namen des HERRN und verlasse sich auf seinen Gott.“  Jes. 50,10  Monatsspruch Dezember

Liebe Gemeindeglieder,

Ute Waffenschmidt-Leng

in diesen Tagen des Herbstes und Winters bekommen wir eine Ahnung davon, was es heißt, im Dunkel zu leben. Das geht an die Seele. Das, was schwer ist, wird noch schwerer.  Das, was wir an strahlenden Tagen wegschieben und vertreiben können, nimmt sich Raum und Gewicht. Und manchmal so viel, dass die Seele ganz und gar betrübt ist und gar nicht mehr heraus findet aus dieser Betrübnis. Sie hat keine Kraft und sieht auch nichts mehr, was sie dem Düsteren entgegen setzen könnte. Wer im Dunkel lebt, sieht keine andere Wirklichkeit mehr als das Dunkel, und seine /ihre Seele wird müde mit der Zeit.  Vielleicht kennen Sie so etwas?
Im Dunkel zu leben, das erleben auch die, die abgeschnitten sind von den schönen und leichten und unbeschwerten Seiten des Lebens:  Menschen, die tagtäglich erleben, dass sie nicht über die Runden kommen mit dem, was sie verdienen; Menschen, die nicht aus noch ein wissen vor Angst… denen Gewalttäter und Kriegstreiber das Leben nehmen – auch schon vor dem Tod…  Im Dunkeln zu leben – wie schrecklich viele Menschen auf dieser Welt erleben das – auch Kinder… !
Und da wird nun einer von Gott geschickt – der Gottesknecht, so ist er im Buch Jesaja genannt – der soll „mit den Müden zu rechter Zeit reden“.  Er hat ein Ohr für die, die leiden und geknickt sind.  Er erkennt, was die Müden und Verzweifelten und Enttäuschten brauchen – und weicht nicht zurück.
 Er ergreift Partei für sie – und hat es deshalb nicht leicht. Und trotzdem tut er, was nötig ist – auch im Angesicht drohenden Leidens…  Er ist ein Erwählter, d.h. er hat einen Auftrag von Gott:  er soll den Rechtlosen zu ihrem Recht verhelfen, denen, die blind sind, die Augen öffnen; die Gefangenen aus ihren Gefängnissen befreien; die Traurigen soll er trösten und die Müden stärken… 
Immer wieder schickt Gott solche ‚Erwählten’ – schickt sie zu denen, die im Dunkel leben und kein Licht sehen – und lässt ihnen sagen, lässt sie spüren:  Ich bin da! 
Ja, das ist rettend, wenn jemand kommt und sagt: Ich bin da. Ich sehe dich da im Dunkel. Sehe, wie verzweifelt du bist und wie müde… 
Die Bibel erzählt, dass Gott immer wieder solche rettenden Menschen geschickt hat, um zu trösten, um zu helfen, um Licht in die Dunkelheiten zu bringen.  
In der Zeit des Advents zünden wir Lichter an. Jedes Licht erinnert daran, dass Gott das immer wieder tut und tun wird:  jemanden, den/ die er erwählt hat, schickt er, um es hell zu machen bei denen, die im Dunkeln leben.  Und vermutlich sind wir alle mal das eine und das andere:  mal angewiesen auf eine/n, die/der kommt und sagt ‚Ich bin da’ – und mal auserwählt, es selbst zu sagen: ‚Ich bin da’.  Und der Auserwählte im Buch des Propheten Jesaja ermutigt uns, auf Gott zu vertrauen, der Licht bringt in die Dunkelheiten, in der Menschen leben.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit mit vielen Erfahrungen des Kommens Gottes!

Ihre

Ute Waffenschmidt-Leng