An(ge)dacht


„Gott ist nicht fern von jeder und jedem von uns. Denn in Gott leben, weben und sind wir.“
Apg. 17,27 – Monatsspruch Juli

 

Ute Waffenschmidt-Leng

Liebe Gemeinde,

Paulus auf dem Areopag. Ein bedeutungsvoller Ort für die Menschen in Athen. Wer dort redete, wurde gehört. Athen, eine Weltstadt… Und Paulus nutzt die Chance, hier zu reden, an diesem besonderen Ort. Er knüpft an das an, was er in Athen wahrnimmt: die Menschen glauben… manche an Götter, die sie selbst ausgedacht und gemacht haben. Manchmal tun Menschen das, vertrauen auf Dinge, von denen sie denken, sie könnten ihnen helfen, und machen Bilder, die ihnen das vor Augen halten: goldene Stiere, die die Macht des Geldes symbolisieren zum Beispiel.

Menschen glauben – und brauchen das, um Hoffnung zu haben, zu ihrer Orientierung, um einen Ort zu haben, an dem sie sich vergewissern können, dass sie nicht allein und auf sich gestellt sind.

Viele Götter-Bilder gab es in Athen. Und neben denen, die einen Namen hatten, gab es eins, das an den ‚unbekannten Gott’ erinnerte. „Was ihr nun, ohne es zu kennen, verehrt, das verkündige ich euch,“ sagt Paulus, als er auf dem Areopag seine Rede hält. Und er erzählt von Gott, der/die durchaus einen Namen hat, erzählt von Gott, ‚ICHBINDA’: „Gott hat die Welt und alles in ihr gemacht, herrscht über Himmel und Erde; Gott wohnt nicht in von Händen gemachten Tempeln, lässt sich auch nicht von Menschenhänden versorgen; hat nichts nötig, gibt doch selbst allen Leben, Atem und alles. … So sollten sie suchen, ob sie wohl Gott ertasteten und fänden; ist Gott doch nicht fern von jeder und jedem von uns. Denn in Gott leben wir, bewegen wir uns und sind wir.“  (Bibel in gerechter Sprache)

Das ist wahrlich etwas Neues für die Menschen in Athen, die die griechischen Götter verehren, die in den wunderbar für sie in der Stadt gebauten Tempeln wohnen, die Ansprüche haben, die Opfergaben verlangen… So sind sie die Götter und Götzen… und die Menschen opfern ihnen: Zeit, Kraft… sogar ihre Kinder opfern sie den gierigen Göttern des Wachstums.

Gott, von dem Paulus erzählt, ist ganz anders: „lässt sich nicht von Menschenhänden versorgen, hat nichts nötig, gibt doch selbst allen das Leben, Atem und alles!“

Wie wunderbar – die Rede des Paulus in Athen! Wie unendlich entlastend und befreiend! Könnten es die Menschen nur glauben, damals und heute! Könnten sie sich nur lösen von den Göttern und Götzen, die viel versprechen, aber in Wirklichkeit unmerklich Lebenszeit und Lebensschönheit rauben, Ängste schüren, nicht genug zu sein, das nehmen, was Leben ist… Schon durch die Propheten ließ Gott, ICHBINDA, sagen: „Warum zahlt ihr Geld ohne Brot zu bekommen? Und euren Lohn, ohne satt zu werden?!... Kommt zum Wasser, kauft ohne Geld und ohne Preis Wein und Milch!“ Die Fülle des Lebens – ganz und gar umsonst?! Ja, Gott schenkt uns das Leben mit all seinen Schönheiten und Wundern. Wir müssen und können die Wunder und die Schönheiten des Lebens nicht selbst machen – sie kommen auf uns zu!  Unverhofft oftmals, gar nicht erwartet, vielleicht ersehnt, aber nicht für möglich gehalten?! Und manchmal nehmen wir sie auch gar nicht wirklich wahr, weil die Götzen, denen wir meinen dienen zu müssen, ihre Total-Ansprüche auf unsere Zeit und unsere Kräfte und unsere Aufmerksamkeit fordern.  

Aber dann, in kleinen Momenten des Innehaltens, in Zeiten, in denen wir kurz aussteigen aus den Anforderungen unseres normalen Alltags, entdecken wir es doch – das, wovon wir in Wirklichkeit leben: der Atem, der selbstverständlich in uns hineinströmt, die Luft, die uns umgibt, die Schönheiten, die uns staunen machen, das Glück, das uns für einen Moment überwältigt… die Kraft des Lebens, die kommt, ohne dass wir es erwartet hätten – und all die Ängste, nicht genug zu sein, sind plötzlich verschwunden – einfach so…  Und wir spüren es: „Gott ist nicht fern von jeder und jedem von uns. Denn in Gott leben, weben und sind wir.“

Ich wünsche Ihnen viele solcher Momente in der vor uns liegenden Ferien- und Urlaubs-zeit – und darüber hinaus!


Ihre
Ute Waffenschmidt-Leng