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Unsere Montagsgebete, die seit November 2013 in der Martinikirche stattfinden, sind mittlerweile zu einem festen Anlaufpunkt geworden: Menschen aus der Martinigemeinde und darüber hinaus treffen sich hier regelmäßig, weil sie sich um Mitarbeitende und Patienten in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen sorgen. Sie tauschen sich untereinander über die Missstände im Gesundheitswesen aus, erzählen von ihrer jeweiligen Situation und beten mit- und füreinander. Die Montagsgebete beginnen montags um 18 Uhr und dauern etwa eine halbe Stunde.

 

 

Offener Brief an Präses Annette Kurschus

Unsere Initiative "Wa(h)re Gesundheit - da hilft nur noch beten?" hat folgenden Brief an die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen und stellvertretende Ratsvorsitzende der EKD, Annette Kurschus, geschrieben. (5. September 2016)

OFFENER BRIEF
an die
Präses der EKvW
Annette Kurschus
Altstädter Kirchplatz 5
33602 Bielefeld

Sehr geehrte Präses, liebe Annette,

du weißt, dass sich seit mittlerweile dreieinhalb Jahren die Initiative "Wa(h)re Gesundheit – da hilft nur noch beten?" in der Martini-Kirche in jeder Woche zu den Montagsgebeten trifft. Wir wollen damit einen geschützten Raum geben, in dem sich Schwestern und Pfleger, Ärztinnen und Ärzte austauschen über die prekären Erfahrungen in ihren Arbeitsbereichen und Kraft tanken können - auch zum nötigen Widerstand.

Zudem ist es uns wichtig, Öffentlichkeit zu schaffen für das, was in unserem Gesundheitssystem geschieht. Auf dem Rücken vornehmlich der Schwestern und Pfleger wird Profit gemacht bzw. werden die nötigen Sparmaßnahmen getätigt.

Die Erfahrungsberichte sind erschütternd, die Situation sowohl für Patient innen und Pflegebedürftige als auch für die in diesem Bereich Arbeitenden ist mittlerweile absolut gefährdend.

Die Kirchen sind große Arbeitgeber in diesem Bereich und könnten - und müssten u. E. - Einfluss auf die Politik nehmen, damit diese Verhältnisse verändert werden.

Unabdingbar ist ein gesetzlich gesicherter Pflegeschlüssel, der verantwortungsvolle und würdevolle Pflege und Versorgung von Patient_innen gewährleistet und der Schwestern und Pfleger endlich herausholt aus permanenten Überlastungen und prekären Arbeitssituationen, aber auch aus der schrecklichen Erfahrung, dem eigenen Berufsethos und der Würde der Menschen an keiner Stelle mehr gerecht werden zu können.

Die Gewerkschaft Ver.di initiiert derzeit Streiks in einzelnen Kliniken, um der Forderung nach einem gesetzlich gesicherten Pflegeschlüssel Nachdruck zu verleihen. An der Charité in Berlin haben die Angestellten bereits erfolgreich gestreikt. Im Saarland sind Streiks in Planung, ebenso in NRW.

Die Kirchen schweigen derweil, verweigern ihren Angestellten das Streikrecht. Kirchliche Häuser verweigern die Solidarität mit ihrem Pflegepersonal, statt es zu unterstützen, sich für absolut notwendige Veränderungen in der Gesetzgebung für den Gesundheits- und Pflegebereich stark zu machen, kürzen auch sie Stellen im Pflegebereich.

Es ist u. E. endlich an der Zeit, dass die Kirche(n) als Träger vieler Krankenhäuser und Pflegeeinrichtun-gen deutlich darauf aufmerksam macht/machen, dass würdevolle und verantwortliche Pflege im derzeitigen Gesundheits- und Abrechnungssystem nicht (mehr) möglich ist. Zudem müssten sie im gesellschaftlichen Diskurs deutlich machen, dass es ein Skandal ist, dass Gesundheit zu einer Ware geworden ist, mit der Profit gemacht wird.

Die Kirche muss ihre Einflussmöglichkeiten nutzen, um die Würde der Menschen – auch und gerade der alten und kranken Menschen – in unserer Gesellschaft zu verteidigen, sie muss, ihrem biblischen Auftrag entsprechend, den Mund auftun für die Stummen. Sie muss mit Nachdruck darauf hinweisen, dass würdevolle und verantwortungsvolle Pflege und Versorgung unter den gegebenen gesetzlichen und abrechnungstechnischen Bedingungen nicht (mehr) möglich ist. Und sie muss, wenn sie verantwortlich und ihren Leitbildern entsprechend handeln will, darauf aufmerksam machen, dass sie – sollte sich nichts verändern – entsprechende Konsequenzen ziehen muss.
Wenn sie dies nicht tut, macht sich die Kirche mitschuldig am würdelosen Umgang mit Patient_innen und pflegebedürftigen Menschen.

Wir möchten dich als Präses unserer Landeskirche und als stellvertretende Ratsvorsitzende der EKD bitten, deinen Einfluss in Westfalen und auch auf der Ebene der EKD geltend zu machen für eine gesetzliche Regelung eines adäquaten Pflegeschlüssels.

Da wir den öffentlichen Diskurs zu diesem Thema fördern möchten, setzen wir diesen Brief auch auf die Facebook-Seite unserer Initiative.

Herzliche Grüße

für die Initiative "Wa(h)re Gesundheit – da hilft nur noch beten?"

Ute (Waffenschmidt-Leng)

 

 

Lokale Medienberichterstattung über die Krise in der Pflege und unsere Montagsgebete

"Pflege am Limit", WDR Lokalzeit Südwestfalen vom 19. März 2014

Artikel vom 18. März 2014 in der Siegener Zeitung, "Ein Wort zur Sache"

Artikel vom 17. März 2014 in der Westfalenpost Siegen, "Pflegekräfte erscheinen morgens weinend zum Dienst", von Ilka Wiese

Artikel vom 25. Februar in der Westfalenpost Siegen, "Zeit für solidarische Empörung", von Florian Adam

Beitrag "Pflegebranche am Ende" bei Radio Siegen am 25. Februar 2014 (mp3)

Artikel aus der Siegener Zeitung vom 28. November 2013 über die Diskussion auf der Kreissynode

Artikel aus der Siegener Zeitung "Eine schwierige Operation" vom 30. November 2013

Artikel aus der Westfälischen Rundschau vom 28. November 2013 (zweite Hälfte des Artikels)

Auch die Lokalzeit Südwestfalen (WDR) hat das Thema am 28. November in einer Kurznachricht aufgegriffen (ab Minute 9'23'').

 

Weitere Links

Facebook-Gruppe "Wa(h)re Gesundheit - da hilft nur noch beten?"

"Schaffe mir Recht gegen meinen Widersacher!" - Predigt von Pfarrerin Ute Waffenschmidt-Leng über Lukas 18,2-5 vom 10. November 2013

Artikel von Heribert Prantl in der Süddeutschen Zeitung vom 16. November 2013

zusammengestellt von Anne Kampf