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"Gott spricht: Ich will unter ihnen wohnen und will ihr Gott sein und sie sollen mein Volk sein."

Hesekiel 37,27

 
Liebe Gemeindeglieder,


Ute Waffenschmidt-LengIsrael – verschleppt und verstreut von der Großmacht Babylon. Jerusalem, das Zentrum des Glaubens, zerstört. Der Prophet Hesekiel gehört zu denen, die verschleppt wurden nach Babylon. Und er hört immer wieder die Stimme Gottes. Und er spürt einen Auftrag, der so schwer ist: er soll den Verschleppten die Augen öffnen, soll ihnen sagen, dass das, was sie Erleben, die Folge ihres Tuns ist: die Mächtigen Israels – aber auch viele Menschen des Volkes haben sich nicht mehr an den Geboten Gottes orientiert in ihrem Leben und Handeln. Hesekiel kann nicht anders, er sagt den Menschen des Volkes Israel, dass sie ihr Leben ändern müssen, wenn sie Zukunft haben wollen; er erinnert sie an die Weisungen Gottes, daran, dass Gott diese Weisungen gegeben hat, damit alle gut leben können, alle, nicht nur die Mächtigen und die Reichen, sondern auch die Armen, die Witwen und Waisen und auch die Fremden im Land.

Hesekiel hat es schwer. Alle Prophet_innen haben es schwer. Umkehr zu predigen ist nicht leicht. Umkehr ist für die meisten Menschen keine attraktive Botschaft. Weiter so ist angenehmer, zumindest für die, denen es gut geht.

Aber dann tritt ein, wovor Hesekiel gewarnt hat, eine Katastrophe!  Und die Verzweiflung unter den Menschen ist groß. Wird die Katastrophe sie zur Umkehr bringen? Werden sie lernen aus der Katastrophe? – Lernen Menschen aus Katastrophen? Wenn wir uns die politische Lage anschauen, wenn wir wahrnehmen, was an fremdenfeindlichen, rassistischen Äußerungen heute wieder ohne Hemmung geäußert wird, wenn wir wahrnehmen, dass es Menschen gibt, die offen davon reden, dass doch nicht alles schlecht war, was Hitler getan hat, dann sind wir entsetzt und sehr ernüchtert, was das Lernen aus geschichtlichen Katastrophen angeht. Hesekiel war es auch. Und es scheint, wenn wir die Kapitel, in denen der obige Satz steht, im Gesamten lesen, dass Gott auch ernüchtert und desillusioniert war, was die Lernfähigkeit der Menschen angeht.    

Gott, so wird erzählt, nimmt die Geschicke seines Volkes selbst in die Hand – nimmt den ‚Hirten, die sich selbst weiden’, die Macht weg und wird selbst zum Hirten seines Volkes, gibt den Menschen einen neuen Geist in die Herzen… und die merken endlich wieder, auf wen sie wirklich vertrauen können, und woran sich zu orientieren gut ist für das Zusammenleben aller.

Ein neuer Anfang ist möglich, lässt Gott durch Hesekiel den Menschen sagen! Einen neuen Anfang macht Gott möglich. Immer wieder haben das Menschen erlebt.  Auch wir haben das erlebt – und es ist mehr als ein Wunder, dass es nach all den Katastrophen, die Menschen zu verantworten haben, immer wieder noch neue Lebensmöglichkeiten gibt. Die Menschen der Bibel formulieren es als Gnade Gottes.

Es gibt auch heute Prophet_innen, durch die Gott uns zur Umkehr helfen will! Ja, helfen will Gott, zurechtbringen will Gott. Und denen, die verzweifelt im Elend sitzen, lässt er sagen: ich bringe Euch zurück – Ihr sollt Heimat finden, in der ihr wieder in Frieden leben könnt. Hoffnung für uns alle, dass Gott die Menschen, und insbesondere auch sein Volk Israel, nicht allein und sich selbst überlässt – allenfalls für kurze Zeit, damit wir lernen. Es ist Gottes Barmherzigkeit, dass es Hoffnung gibt – und dass Umkehr nicht vergeblich ist. 

 

Ihre

Ute Waffenschmidt-Leng