MAn(ge)dacht

Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nah!“ (Mattäus 10,7; Montatsspruch August)

Liebe Gemeindeglieder,

Ute Waffenschmidt-Leng

„geht und verkündet: das Himmelreich ist nah“, das hören die, die sich gerade Jesus angeschlossen haben: Menschen, die große Sehnsucht hatten in einem schweren Leben. Israel besetzt von den Römern, der Kaiser verlangt Steuern, die die Armen noch ärmer machen, so dass sie von ihrem Einkommen nicht mehr leben können. Die Menschen in Israel sehnen sich nach anderem Leben, einem Leben, in dem es wieder Hoffnung gibt. Es sind kleine Leute, unscheinbare… Und eines Tages begegnen sie Jesus. Er strahlt Zuversicht aus, Vertrauen auf Gott, den er Vater nennt… er spricht davon, dass den Sanftmütigen, den Barmherzigen, den Friedfertigen und denen, die nach Gerechtigkeit hungern, die Zukunft und die Erde gehören wird… Ganz unwirklich klingende Hoffnung! Verwegene Hoffnung: Das Himmelreich – nah!!!

Ja, das wäre der Himmel auf Erden: wenn die Sanftmütigen und nicht die Gewalttätigen die Erde besitzen würden, wenn die Barmherzigen entscheiden dürften und nicht die Gierigen und Gnadenlosen, wenn die Friedfertigen und nicht die, die mit den Kriegen dieser Welt Geld verdienen, die politischen Entscheidungen bestimmen würden, wenn die, die nach Gerechtigkeit hungern und dürsten, endlich satt würden. Der Himmel auf Erden!

So gehen sie mit ihm, die, die große Sehnsucht haben nach genau diesen Veränderungen. Jesu Hoffnung bringt den nur noch vage glimmenden Docht ihrer Hoffnung wieder zum brennen. Und er ermutigt sie: geht und sagt es allen: das Himmelreich ist nahe! Und lasst es die Menschen spüren, dass sie es auch glauben können: Macht Kranke gesund, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt böse Geister aus… sagt Jesus weiter.
Dass das Himmelreich nah ist, das erleben Menschen, wo sie heil werden, wo sie wieder zum Leben finden, wo sie aus dem Abseits und Ausgegrenztsein herausgeholt werden, wo die Geister, die krank machen und das Leben zerstören, vertrieben werden…

Das Himmelreich – nah? Vielleicht erleben Sie es ja, wenn Sie im Abstand des Urlaubs neue heilende Kräfte spüren, wenn Sie die Schönheit der Schöpfung Gottes endlich wieder sehen und wahrnehmen und in sich

aufnehmen können und merken, wie die Seele gesund wird dadurch…
Das Himmelreich – nah? Vielleicht sehen Sie es in den Augen eines Menschen, dem Sie helfen aus dem Abseits zu kommen, in den Augen einer Geflüchteten, die sich freut über Ihre Freundlichkeit und Hilfe, in den Augen dessen, dem Sie gegen die Mobber helfen…

Das Himmelreich – nah? Vielleicht spüren Sie, wie Sie aufatmen können, wenn endlich die bösen Geister der Missgunst und der Zwietracht, die Geister dummer Konkurrenz und perfider Gier entlarvt und ausgetrieben werden. Endlich wieder gutes Miteinander – endlich wieder Arbeiten in einer Atmosphäre, in der man sich gegenseitig unterstützt und beflügelt! Das Himmelreich – nah!

Das Himmelreich – nah! Geht und verkündet es, sagt Jesus, und weiß, was er damit sagt. Die Hoffnung, dass eine andere Welt möglich ist, bekommt dadurch neue Nahrung! Menschen merken: wir müssen uns nicht abfinden – nicht mit Ungerechtigkeit, nicht mit Kriegen, nicht mit gnadenlosem Druck und nicht mit dummer Aus- und Abgrenzung… Das Himmelreich ist nah! Und es gibt Zeichen dafür: Fridays for future, Rettungsschiffe auf dem Meer, endlich die Initiative der EKD, die offiziell die Praktik der Abschottung Europas, das Zurückschicken von Geflüchteten in die Lager in Libyen und die Kriminalisierung der Hilfsorganisationen verurteilt und mit Bürgermeister*innen Deutscher Städte Bleibemöglichkeiten für Geflüchtete schafft … Das Himmelreich – nah! Es beginnt klein, sagt Jesus, aber aus dem kleinen Beginn wächst etwas Großes zum Schutz aller Geschöpfe!

Ich wünsche Ihnen Erfahrungen des Himmels auf der Erde, wünsche Ihnen in diesem Sinn gesegnete Zeit, die die Seele gesund macht und der Hoffnung Nahrung gibt.

Ihre

Ute Waffenschmidt-Leng